Eine wahre Pelz-Geschichte

Meine Mutter kaufte sich Anfang der 1960er Jahre einen damals „fürchterlich teuren“ Mantel mit Innennerz bei einem angesehenen Münchner Kürscher. Das machte eine erfolgreiche Frau damals einfach so, meine Mutter erst recht, das musste sein. Sie trug ihn wohl 25 Jahre, dann übergab sie ihn an ihre Tochter – mich!

Ich trug ihn zunächst gerne, dann kamen die „dunklen Jahre“ für Pelzmäntel. Pelz begann out zu werden und war bald aber auch so etwas von out... Frau konnte sich irgendwann mit Pelz in München nicht mehr sehen lassen – u.a. aus Angst vor Farbbeuteln von „Tierschützern“ oder was immer das gewesen sein mögen.

Folglich verschwand der „sündhaft teure“ Pelzmantel im Schrank und wanderte über die Jahre immer weiter nach hinten. Einmal pro Jahr holte ich ihn aus seinem Kleidersack, prüfte ihn und hängte ihn wieder weg.

Inzwischen fand ich ihn ja selber aus der Mode gekommen, viel zu lang (er war fast bodenlang) und zu schwer – wer hatte den nur tragen können? Meine zierliche Mutter? Was muss sie an dem Traummantel nur „geschleppt“ haben...

So gegen 2015 war meine Nichte, Mutters Enkelin, so langsam alt genug, dass ich mal mit ihr darüber reden konnte, dass sie Mutters Traummantel einmal erben würde. Anfangs hielt sich die Begeisterung der jungen Frau doch sehr in Grenzen! Als sie so mit 30 Jahren endlich eine sogar erfolgreiche Architektin geworden war, war der Mantel plötzlich wieder Gesprächsstoff unter uns beiden. Ja, sie könne sich das vorstellen, den Mantel zu tragen - aber so, wie er war?

Bei einem ihrer seltenen Besuche in Stralsund kamen wir mehr zufällig in den Laden von allgro-fur. Auf Nachfrage, was man dort denn mit so einem Mantel machen könnte, wurde nach einigem Hin und Her die Idee zum Parka mit Innenfutter geboren. Nichte war entzückt, ich auch – endlich würde der inzwischen fast 60 Jahre alte Mantel wieder zu Ehren kommen.

Also wurde an der Nichte Maß genommen, dann mußte einige Wochen gewartet werden, und schließlich war das neue Stück fertig. Nichte kam, probierte den Parka und wollte ihn gar nicht mehr ausziehen. Sie war begeistert, der Maßparka war mit einem Wort „perfekt“.

Inzwischen trägt Nichte den Parka im Winter ganz lässig zu Jeans und Troyer auf der Baustelle und beieindruckt Bauherren und -damen schwer! Sie weiß inzwischen: Auch die Ausstrahlung machts.

Ab und zu pfeift einer Arbeiter auf der Baustelle ihr nach. Sie dreht sich natürlich nicht um – aber ganz heimlich freut sie sich doch. Und denkt "auch wegen des Parkas".